Madagaskar zählt zu den ärmsten Ländern der Erde, dabei hätte die Insel optimale Voraussetzungen für einen blühenden Tourismus. Doch eine unfähige Regierung sieht tatenlos zu, wie auch die letzten Urwälder verschwinden ...
... und doch ist gerade der subtropische Regenwald mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt der eigentliche Reichtum des Landes. Zusammen mit dem Wald verabschieden sich zahlreiche Arten, die sonst nirgendwo auf der Welt vorkommen, auf Nimmerwiedersehen.


Tropischer Regenwald, Orchideen und Urwaldgeister



© googlemaps

Vor Jahrmillionen, als der Urkontinent Pangea auseinander brach und die einzelnen Teile in alle Richtungen zu driften begannen, löste sich eine Scholle von der Grösse Spaniens von der afrikanischen Platte ab, trieb etwa 400 km weit in den Indischen Ozean hinaus und liegt heute als Madagaskar vor der Küste von Mosambik. Geologisch gesehen gehört die Insel also eindeutig zu Afrika.

Die ethnischen Wurzeln ihrer Bevölkerung allerdings liegen rund 5.000 km weiter im Osten: die Vorfahren der Madegassen kamen vor etwa 2.000 Jahren aus der Malaiischen Inselwelt quer über den Ozean gesegelt und liessen sich in dem damals anscheinend unbewohnten Land nieder. Und so tragen auch die heutigen Bewohner Madagaskars deutlich asiatische Züge - mit den Menschen Schwarzafrikas, die man aufgrund der Nähe zum Mutterkontinent eigentlich hier vermuten würde, haben sie nur herzlich wenig gemeinsam.

Politisch ist Madagaskar ein eigenständiger Staat - und war das fast immer, selbst im Zeitalter der Entdeckungen. Erfolgreich widersetzte sich die Bevölkerung allen Eroberungsversuchen der Portugiesen, der Engländer, der Holländer und der Franzosen. Gegen Ende des 19. Jh. gelang es Frankreich zwar, die Insel seinem damaligen Kolonialreich einzuverleiben, doch leisteten die Madegassen heftigen Widerstand gegen die Fremdherrschaft und erlangten schliesslich 1960 ihre Unabhängigkeit zurück. So manches Stadtviertel der Hauptstadt Antananarivo, zentrales Ziel der meisten Madagaskar Reisen Angebote, zeigt noch heute das typisch europäische Gepräge aus der Kolonialzeit.


Eine weltweit einmalige Tier- und Pflanzenwelt ist in akuter Gefahr



Urania-Falter aus Madagaskar

Abslout einzigartig an Madagaskar ist seine artenreiche Natur, die sich nach der Loslösung vom Kontinent vor etwa 150 Mio Jahren in völliger Isolation quasi "in Eigenregie" weiterentwickeln konnte. Nirgendwo sonst auf der Welt findet sich eine solch hohe Anzahl an sog. Endemiten, also Pflanzen und Tieren, die in dieser Form nur hier vorkommen:

bei den rund 12.000 Blütenpflanzen und den 109 Säugetieren liegt der Anteil an Endemiten bei etwa 80%, bei den 260 Reptilien sogar bei 95% - und die Amphibien, darunter 150 Froscharten, gelten quasi alle als endemisch. Nur in der Vogelwelt ist die Quote mit 50% deutlich niedriger, ähnlich dürfte es in der bisher noch gar nicht komplett erfassten Insektenfauna aussehen - schliesslich sind 400 km für flugfähige Tiere kein allzu grosses Hindernis, wenn man bedenkt, dass nicht nur Zugvögel, sondern auch solch zerbrechlich anmutende Geschöpfe wie manche Schmetterlinge auf ihren jährlichen Wanderungen oft mehrere tausend Kilometer zurücklegen.

Alleine an Orchideen, den "Königskindern der Pflanzenwelt", sind bisher über 1000 Arten beschrieben worden. Die absoluten Stars Madagaskars aber sind die berühmten Lemuren, von den Einheimischen ehrfurchtsvoll "Waldgeister" genannt: das sind Halbaffen, von denen bis heute noch ca. 30 Arten überleben konnten. Echte Affen dagegen fehlen völlig auf der Insel, ebenso Giftschlangen - was das Risiko für den Menschen auf Expeditionen in die tropischen Urwälder erheblich mindert.



Das Tourismus-Informations-Portal für Madagaskar


Wege aus dem Dilemma


Man sollte also eigentlich davon ausgehen, dass eine Reise nach Madagaskar irgendwann auf dem Reiseplan jedes echten Naturfreundes steht. Doch leider herrschen in diesem Naturparadies alles andere als paradiesische Zustände, denn in den nunmehr über 50 Jahren seit dem Abzug der französischen Besatzer ist es keiner der ständig wechselnden Regierungen gelungen, ein überzeugendes, funktionierendes Staats- und Gesellschaftsmodell aufzubauen, was zur Folge hat, dass Madagaskar im grossen Weltgeschehen so gut wie keine Rolle spielt - und, vor allem, nach wie vor zu den ärmsten Ländern unserer Erde zählt. Immer wieder kommt es, besonders in den Ballungszentren der grösseren Städte, zu Unruhen und Demonstrationen, auch die Kriminalität nimmt dort leider deutlich zu, sodass das Reisen auf eigene Faust für Ausländer nicht ganz ohne Risiko ist.

Es könnte anders sein, denn an Erdöl und diversen anderen Bodenschätzen wurden nicht unerhebliche Vorkommen festgestellt - und für einen einträglichen Tourismus gar hätte die 1.500 km lange und bis zu 580 km breite Insel mit einer fast 5.000 km langen Küstenlinie geradezu ideale Voraussetzungen: paradiesische Strände unter tropischer Sonne sowie kulturelle und landschaftliche Höhepunkte gibt es in Hülle und Fülle. Dazu kulinarische Köstlichkeiten und eine ausgesprochen gastfreundliche Bevölkerung.

Stattdessen zerstört als direkte Folge der Armut, getrieben von Hunger und Not, die Landbevölkerung weiterhin die Regenwälder, um neue Anbauflächen und Feuerholz zu gewinnen - und das in einem Tempo, das die (bisher recht halbherzigen) Wiederaufforstungsversuche der Regierung als blosse "Tropfen auf den heissen Stein" erscheinen lässt: von den vermutlich ursprünglich fast flächendeckenden Wäldern sind heute gerade mal noch 10% vorhanden, und der Raubbau geht ungebremst weiter.

Der WWF als Retter in der Not?


Seit seiner Gründung im Jahr 1963 ist der World Wildlife Fund stark engagiert im Naturschutz auf Madagaskar und hat auch schon einige beachtliche Erfolge vorzuweisen. Doch ist der WWF keine politische, sondern in erster Linie eine Naturschutzorganisation und hat somit nur sehr begrenzten Einfluss auf die lokalen Entscheidungsträger. Er kann die Zerstörung der Lebensräume lediglich bremsen, aber nicht stoppen. Der jetzigen Übergangsregierung beispielsweise hat er die Zusage abgerungen, die Schutzgebiete des Landes auf die dreifache Fläche zu vergrößern - doch stehen diese Versprechen bisher nur auf dem Papier.

Internationales Eingreifen in finanzieller und logistischer Form wäre dringend angesagt, und zwar unter strengster Kontrolle, damit die zur Verfügung gestellten Mittel nicht wieder - wie heutzutage leider weltweit üblich - in den tiefen Taschen korrupter Kleptokratencliquen verschwinden. Neben dringenden direkten Schutzmassnahmen wäre besonders der Aufbau einer grünen Tourismus- Struktur denkbar, in die vor allem die Einheimischen sinnvoll ( =aktiv!) mit einbezogen würden.

Denn: wer Hunger hat, schert sich herzlich wenig um gesetzliche Vorschriften (deren Einhaltung sowieso niemand ernsthaft kontrolliert) - bietet dagegen auch die Natur eine zuverlässige Einkommensquelle, ist man viel eher bereit, diese auch zu schützen und zu erhalten. Diese Erfahrung haben Naturschützer mittlerweile in vielen der sog. Entwicklungsländer weltweit gemacht - und oft schon mit Erfolg auch umgesetzt. Musterbeispiel dafür ist Costa Rica in Mittelamerika.

Für Madagaskar allerdings bleibt nicht mehr allzuviel Zeit - die Uhr steht bereits auf 5 vor 12


July 2011 von Raoul
Fotos: folgen - wir sind auf der Pirsch




Generelle Tipps zu Reisen nach Madagaskar


Trotz der momentan etwas labilen politischen Situation sind Reisen in das Naturwunder Madagaskar mit keinem grösseren Sicherheitsrisiko verbunden als woanders auch - schliesslich zählt das Land nicht zu den traditionellen Krisengebieten der Welt. Sie sollten nur die folgenden Hinweise beachten:

1) Obwohl die Touristenregionen und die Naturparks allgemein als relativ sicher eingestuft werden, sollten Sie bei der Planung unbedingt die aktuellen Reisehinweise des Auswärtigen Amtes der BRD beachten.

2) Reisen Sie am besten nicht auf eigene Faust, sondern vertrauen Sie sich einem erfahrenen und kompetenten Veranstalter an, der Land und Leute kennt und sowohl Ihre als auch die Landessprache beherrscht. So kann Ihnen auf Ihrer Madagaskar-Reise eigentlich nicht viel passieren.

Ein paar Vorschläge finden Sie über die folgenden Deeplinks zum ForumAndersReisen (FAR) - dabei haben Sie vor allem auch die Gewissheit, in kleinen Gruppen zu reisen und den Grundsätzen eines ökologisch vertretbaren, nachhaltigen grünen Tourismus gerecht zu werden, der auch, wo immer möglich, Einheimische in seine Unternehmungen mit einbezieht - beispielsweise als Führer durch den Regenwald oder auch als Gastgeber auf mehrtägigen Touren, wo kein Hotel o.ä. zur Verfügung steht. Viele Anbieter im FAR führen auch einen Teil ihres Verdienstes an soziale Projekte des jeweiligen Landes ab - das ist dann so etwas wie Fair-Trade-Travel.



und hier unsere Reise-Vorschläge (alles Reiseveranstalter aus Deutschland):


Diese Reisen sind allerdings keine Massenware und daher nicht ganz billig - aber dafür bekommen Sie den entsprechenden Gegenwert: authentisches Naturerlebnis vom Feinsten, das Sie überdies mit ruhigem Gewissen geniessen können, denn sämtliche Veranstalter sind Mitglieder im FAR (ForumAndersReisen)

Madagaskar - Auf den Spuren der Lemuren
- 20 Tage ab ca. 3740 Euro p/P (incl. Flug)
Veranstalter: Hauser Exkursionen

Spezialreise Madagaskar - Fremde Welten, erhabene Momente
- 22 Tage ab ca. 4300 p/P (incl. Flug)
Veranstalter: Travel & Personality Stuttgart

Weitere ähnliche Touren finden Sie, wenn Sie beim ForumAndersReisen in der Suchbox rechts oben den Kontinent, das Land und die gewünschte Reiseart auswählen. Das Suchergebnis listet dann sämtliche verfügbaren Reisen verschiedener Veranstalter auf.

Der Reisemafia-Tipp: eine Reihe ganz besonderer Madagaskar-Reisen entstand in enger Zusammenarbeit mit dem WWF: - es sind nur wenige Termine verfügbar und die Teilnehmerzahl ist begrenzt -

Naturgebiete im Focus des WWF - MADAGASKAR
- 22 Tage Veranstalter: DUMA Naturreisen Stuttgart
sollte die Reise zur Zeit ausgebucht sein, finden Sie ähnliche Reisen über die Suchfunktionen im ForumAndersReisen

Madagaskar - Madagaskars landschaftliche Vielfalt
- 22 Tage Veranstalter: Urlaub & Natur Karlsruhe
weitere ähnliche Reisen finden Sie über die Suchfunktionen im ForumAndersReisen

auf diesen Touren bekommen Sie neben echtem Naturerlebnis auch einen kleinen Einblick in die Arbeit dieser beispielhaften, weltweit operierenden Naturschutzorganisation. Und Sie unterstützen dabei den WWF, denn diese Veranstalter führen einen Teil ihres Gewinnes als Spende an den WWF ab.


Ausserdem können Sie den WWF jederzeit auch selbst mit einer kleinen Spende unterstützen:


WWF.de - Denn auch Madagaskar braucht Deine Hilfe



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