Der spanische Nationalpark Doñana an der Costa de la Luz in Andalusien - Refugium von internationaler Bedeutung für bedrohte Tierarten - und ein Paradies vor allem für Wasservögel. Aber auch Raritäten wie der spanische Kaiseradler, der Iberische Luchs und die Ginsterkatze haben hier Zuflucht gefunden.

Dieses Europaweit einmalige Feuchtgebiet an der Mündung des Rio Guadalquivir betrachten wir hier weniger aus touristischer Sicht, denn ein allzu grosser Rummel ist für alle derartigen Naturschutzgebiete eher schädlich und soll vermieden werden. Sie können dort nicht einfach hineinspazieren, wie und wann Sie gerade wollen. Aber es gibt, innerhalb gewisser Vorgaben, durchaus die Möglichkeit zu einer kleinen Schnupper-Tour in den Doñana-Nationalpark, auf die wir auch hinweisen. In erster Linie aber dient dieser Beitrag dem Naturschutz.


Der Nationalpark Doñana in Andalusien / Spanien:
eine Wildnis aus Wasser, Sand und Sümpfen


Ein letztes Refugium von internationaler Bedeutung für bedrohte Tierarten


Ein Beitrag von unserem Ghostwriter Raoul Moreno, einem "aficionado" und Kenner der spanischen Tier- und Pflanzenwelt. Neben ein paar netten Bildern steht hier vor allem die Information im Vordergrund. Denn Information ist wichtig für das Verständnis - und Verstehen ist die Grundlage für die Unterstützung von Schutzmassnahmen.

Konrad Lorenz drückte das so aus: "Man liebt nur was man kennt, und man schützt nur was man liebt"

Quicklinks: Doñana früher | die Anfänge | Doñana heute | Tourist-Info | Doñana in Gefahr



  Dünen und Pinienwald im
  permanenten Kampf

Doñana im Wandel und Wechsel der Jahrhunderte


Es sah nicht immer so aus wie heute an der Mündung des Rio Guadalquivir. In grauer Vorzeit befand sich hier eine mehr oder weniger zusammenhängende ausgedehnte Lagune, vom Atlantik durch eine schmale Landzunge abgetrennt, die der Fluss allmählich mit herangeschwemmten Sedimenten auffüllte ("Schwemmland"). Sand, Geröll und von den Winterregen losgelöstes Erdreich aus den zahlreichen Sierras Andalusiens wurden vom Guadalquivir und seinen Nebenflüssen herantransportiert. Da die Landzunge ein Ausschwemmen ins offene Meer hinaus weitgehend verhinderte, blieb dem Fluss nichts anderes übrig, als seine Mitbringsel in der Lagune abzuladen, die dadurch zuhends flacher wurde und schliesslich immer mehr verlandete.

Und das in relativ kurzer Zeit. Historischen Quellen zufolge war noch zur Römerzeit (also vor gerade mal 2000 Jahren) ein Seitenarm der Lagune schiffbar bis nach Lebrija - dieses Städtchen liegt heute gut 7 Km vom Ufer des Guadalquivir entfernt.

Im Mittelalter wusste die High Society das unwirtliche, aber aussergewöhnlich wildreiche Gebiet für ihre Jagdvergnügungen zu schätzen. Die Könige Alfons der Weise und später Ferdinand der Katholische erkoren das heutige Doñana-Gebiet zunächst zum privaten und schliesslich zum Königlichen Jagdrevier Coto Real. Danach ging es in Form einer Schenkung zum Dank für treue Dienste in den Besitz der Herzöge von Medina-Sidonia über.

In diesem hohen Hause gab es eine Dame, die Herzogin Doña Ana de Silva y Mendoza, die scheinbar für die zweifelhaften Vergnügen höfischer Veranstaltungen nicht allzu viel übrig hatte - sie entdeckte ihr Herz für die unwegsame Wildnis, liess sich ein kleines Jagdschlösschen erbauen und verbrachte fortan ihre Zeit lieber mit dem Durchstreifen der Sümpfe und Pinienwälder als mit der lästigen Etikette am Hof. Seither ist das Gebiet bekannt als das Jagdrevier der Doña Ana, Coto de Doña Ana bzw. Coto Doñana.

Der Kampf um das Naturparadies


Flamingos an der Laguna de Santa Olalla  


In jüngerer Zeit entdeckte der naturverbundene spanische Dichterfürst Antonio Machado die Bedeutung für die Vogelwelt und veröffentlichte um die Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Catálogo de aves.

Ein halbes Jahrhundert später wies der Engländer Abel Chapman auf den immensen ökologischen Wert des inzwischen zum Coto Nacional de Doñana mutierten Gebietes hin ("Wild Spain" 1893 und "Unexplored Spain" 1910). Etwa gleichzeitig setzten aber auch die ersten Attacken gegen das "nutzlose Brachland" ein: wirtschaftliche Interessen im Verbund mit neuen technischen Möglichkeiten begannen, die Existenz des Doñana-Gebietes ernsthaft zu gefährden.

Mit Sicherheit hatte die jahrhundertelange Nutzung als Jagdgebiet viel zum Erhalt beigetragen, darüber hinaus waren die bisherigen Methoden der Land- und Forstwirtschaft auch eher noch als primitiv und - vor allem mühselig - zu betrachten. Doch nun machten die Errungenschaften des 20. Jahrunderts auch vor dem damals noch rückständigen Spanien nicht halt. Man begann mit der Abholzung der Wälder und mit der Trockenlegung der Sumpfgebiete im grossen Stil. Neue landwirtschaftliche Flächen sollten geschaffen und das reichlich vorhandene Wasser zur Bewässerung genutzt werden. Die Überschwemmungsgebiete wurden in Reisfelder umgewandelt, nach Westen hin gewann in der Provinz Huelva der Anbau von Edbeeren immer mehr an Bedeutung.

In den 50er Jahren dann traten die ersten ernst zu nehmenden Naturschützer auf den Plan und erhielten, aufgrund wissenschaftlich fundierter ökologischer Gutachten und einer breit angelegten Kampagne zur Öffentlichkeitsarbeit, bald auch internationale Unterstützung. An vorderster Front kämpften der frisch gegründete spanische Vogelschutzbund SEO und José Antonio Valverde, der spätere erste Direktor des Nationalparks. Weitere Schützenhilfe kam mal wieder aus England: 1958 erschien die viel beachtete Studie "Portrait of a Wilderness " von Guy Mountford, die Naturschützer aus aller Welt wachrüttelte - und im Jahr 1961 wurde in London der World Wildlife Fund (WWF) ins Leben gerufen, der den Schutz des Doñana-Gebietes zu seiner ersten grossen Aufgabe erkor. Buchstäblich in letzter Minute wurden im Herzen des Coto Doñana knapp 7.000 Hektar Fläche aufgekauft, noch heute als Reserva Biológica de Doñana das Kerngebiet des Nationalparks, der im Jahr 1969 dann schliesslich offiziell als solcher ausgewiesen wurde.

Die erste wichtige Schlacht war damit gewonnen - aber der Kampf geht weiter: weder der Nationalpark-Status und der damit verbundene gesetzliche Schutz, noch die Ernennung zum Welt-Naturerbe und Biosphären-Reservat durch die UNESCO können verhindern, dass Doñana, im Zeitalter der rücksichtslosen Gewinnmaximierung, immer wieder neuen Attacken ausgesetzt ist.

Austernfischer vor den Dünen im Nationalpark Doñana
Ständige Gäste im Park Doñana und immer hungrig sind ganze Scharen von Austernfischern


Der Nationalpark Doñana heute


In enger Kooperation mit dem WWF und den spanischen Behörden wurde der Parque Nacional de Doñana, so die offizielle Bezeichnung, durch Ankauf und Unterschutzstellung weiterer Flächen immer mehr ausgedehnt und umfasst mittlerweile knapp 80.000 Hektar, wovon etwa zwei Drittel den eigentlichen Naturpark ausmachen, der Rest besteht aus einer Art Übergangszone, den sog. Preparques, welche die empfindlichen Teile des Nationalpark Doñana umgeben und diesen gegen direkte negative Einflüsse von aussen abschirmen sollen.

Der Nationalpark Doñana besteht aus drei recht unterschiedlichen Zonen: den marismas - den Sümpfen und Lagunen, die im Hochsommer (zumindest teilweise) austrocknen, dem matorral oder monte - der Trockenzone, und dem Dünengürtel am Atlantik.

Die Dünen zählen mit bis zu 40 m Höhe zu den grössten Wanderdünen in Europa und erstrecken sich über 30 km von Matalascañas bis zur Mündung des Guadalquivir. Der ständige Seewind "treibt" sie jährlich mehrere Meter landeinwärts, wobei sie immer wieder den stets aufs Neue vorrückenden Pinienwald gnadenlos ersticken. Erst nach langen Jahren tauchen die ausgemergelten Baumskelette als gespensterhafte cruces ("Kreuze") in den Dünentälern wieder auf - eine mörderische Prozedur, die nur vereinzelte sabinas (Sadebaum juniperus sabina - eine Wacholderart) gelegentlich überstehen.


Pardel-Luchs

Als matorral oder monte (eigentlich: Gebüsch, Gestrüpp oder auch Wildnis) bezeichnet der Spanier schlichtweg jedes Gelände, das für den Menschen nur schwer zugänglich und somit mehr oder weniger nutzlos ist. Im Doñana-Gebiet ist also unter monte prinzipiell alles zu verstehen, was sich auf festem und trockenem Boden befindet. Das kann ein bisweilen recht unterschiedliches Gemisch sein aus Kiefernwald, undurchdringlichem Gebüsch und eher offenen Flächen, die nur von einzelnen Baumgruppen durchsetzt sind. Also in etwa das, was wir aus Südfrankreich als "Garrigue" und aus Italien als "Macchia" kennen. Der monte wird von Ginster, Rosmarin, Heiden und vor allem von zwei Zistrosenarten (halimium) beherrscht - und je nachdem, welche Art gerade dominiert, unterscheidet man zwischen monte blanco und monte negro. Hier haust ein überaus reicher Wildbestand, allen voran ein gewaltiges Heer von Kaninchen, die die Nahrungsgrundlage für die absoluten "Stars" der Doñana darstellen: den spanischen Kaiseradler und den Pardel-Luchs.


Seidenreiher  

Weitere Stars leben in den marismas, den feuchten Zonen: Flamingos, Reiher, Störche und Löffler, diverse Taucher- Gänse- und Entenarten und das seltene Purpurhuhn, um nur einige zu nennen. Insgesamt sind mehr als 360 Vogelarten hier beheimatet, dazu kommen noch die alljährlichen Durchzügler - sowie 48 Säugetierarten, 72 Fischarten, und schliesslich noch 34 Amphibien- und Reptilienarten. Die Insektenfauna ist vermutlich vorläufig gar nicht komplett erfassbar. Eine unermesslich reichhaltige Flora und Fauna - und alles lebt, direkt oder indirekt, vom Wasser.


Purpurhuhn

Der Rio Guadalquivir spielt bei den jährlichen Überschwemmungen keine allzu grosse Rolle mehr. Auch das Meerwasser dringt nur noch gelegentlich in vereinzelte der äusseren Lagunen vor. Den überwiegenden Teil des Wassers liefern der Rio Guadiamar, der Caño Travieso und der Caño de Madre de las Marismas, unterstützt von ein paar kleineren Bachläufen und Quellen sowie, nicht zuletzt, von den regelmässigen winterlichen Niederschlägen.

In manchen Jahren aber fällt zuwenig Regen, dann trocknen die flachen Gewässer zu früh aus, was ein allgemein spärliches Nahrungsangebot zur Folge hat. Für viele der Wasserbrüter gar beginnt dann ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit, denn der Nachwuchs hat nicht nur Hunger, sondern ist potentiellen Fressfeinden schutzlos ausgeliefert, bevor er flügge wird. So vernichtete in einem solch trockenen Jahr eine Rotte Wildschweine mal eben in einer Nacht an die 3000 Flamingo- Eier.

Doch das sind Probleme, die immer wieder, periodisch und auf natürliche Weise, also ohne Zutun des Menschen, auftreten. "Interne" Angelegenheiten gewissermasssen, welche die Natur auf ihre Art regelt und die normalerweise keine bleibenden Schäden hinterlassen.

Weitaus schlimmer dagegen sind die rücksichtslose menschliche Raffgier sowie der völlig bedenkenlose, unverantwortliche Einsatz der "Segnungen" der chemischen Industrie in Land- und Forstwirtschaft, gepaart mit Unverständnis und Ignoranz gegenüber empfindlichen natürlichen Kreisläufen. Der Mensch verursacht permanente Bedrohungen von aussen, die irreparable Schäden hervorrufen können in einem solch fragilen Ökosystem wie dem Nationalpark Doñana.

Ein paar Beispiele dazu finden Sie in der Box am Ende der Seite.


April 2010 by Raoul Moreno - Jaén/Andalucia copyright für Text und Fotos
Foto oben rechts "Flamingos" © by Jorge Sierra - Wildlife and Nature / Madrid


Ins Grübeln gekommen? Gut. Denn wir brauchen Deine Hilfe. www.WWF.de



Der World Wildlife Fund hat in einer beispielhaften Aktion zur Rettung und zum Erhalt des Naturparkes Doñana beigetragen. Durch eine kleine Spende oder die Mitgliedschaft im WWF können Sie mithelfen, weitere Projekte dieser Art zu verwirklichen. Überall auf der Welt.


Infos zum Besuch des Parque Nacional de Doñana

In manchen Quellen wird behauptet, es gäbe auch ausgedehnte Wandermöglichkeiten im Nationalpark Doñana. Das ist natürlich blanker Unsinn - denn das eigenmächtige Betreten sowie der Aufenthalt im Park ist strengstens verboten !!!

Es wurden allerdings ein paar nette kleinere Naturlehrpfade eingerichtet, auf denen Sie sich jederzeit und ohne Voranmeldung frei bewegen können - aber das als Wandern zu bezeichnen, dazu gehört dann doch eine ausgesprochen blühende Fantasie. Wenn Sie in Andalusien Wandern und Naturbeobachtung miteinander verbinden wollen ohne jegliche Einschränkung Ihrer Bewegungsfreiheit, dann sollten Sie in den Naturpark Sierra de Cazorla gehen.



Haubentaucher  

Doch diese Naturlehrpfade sind durchaus eine gute Gelegenheit, einen kleinen Einblick in die Welt der gefiederten Wasserbewohner zu erhaschen. Diese Möglichkeit bietet die Parkverwaltung, und Sie finden sie an der Strasse von Matalascañas nach dem Wallfahrtsort El Rocio an den kleinen Lagunen beim Informationszentrum El Acebuche und am Arroyo de la Rocina. Dort können Sie, wann Sie wollen, gemütlich spazieren gehen oder sich in einer der Strohgedeckten Beobachtungs-Hütten verschanzen. Nehmen Sie ein gutes Fernglas und ein starkes Teleobjektiv mit - und Sie kommen dort als Naturfreund mit etwas Geduld immer auf Ihre Kosten. Auch wenn dort keine Luchse, Flamingos oder Kaiseradler zu sehen sind, werden Sie immer irgendwas Interessantes entdecken. Es wimmelt dort nur so von Reihern und allen möglichen Enten, daneben sind Zwergtaucher, Haubentaucher und manchmal Kormorane regelmässige Besucher - und selbst Raritäten wie den Eisvogel oder das Purpurhuhn werden Sie dort irgendwann vor die Linse bekommen. Oder die Spanische Sumpfschildkröte.


Unterkunftsmöglichkeiten bieten so gut wie alle Dörfer und Städtchen der Umgebung sowie eine Anzahl ganz passabler Campingplätze. Am dichtesten dran sind Sie in den Bettenburgen von Matalascañas oder im eher verschlafenen El Rocio. Sie können es je nach Reisezeitpunkt auch in unserem Hotel-Suchmodul probieren, doch derzeit sind dort die nächsten Anlaufstellen Huelva, Sevilla oder Sanlucar de Barrameda - alles relativ weit vom Zielort entfernt. Für Spontan-Ausflüge zu den Naturlehrpfaden nicht unbedingt das ideale Basislager.



Ins Innere von Doñana
kommen Sie nur mit
einem der Busse der
Parkverwaltung

Die mehrstündigen Touren ins Innere des Naturparkes können sie im Centro de Recepción EL ACEBUCHE buchen, wenn Sie vor Ort sind. Zur Ferienzeit empfiehlt sich allerdings eine rechtzeitige Voranmeldung, denn die täglich zugelassene Besucherzahl ist begrenzt. Wenn Sie kein oder nur wenig Spanisch sprechen, hilft Ihnen dabei gerne das Personal Ihres Hotels bzw. Pension, oder der Vermieter Ihrer Ferienwohnung. Die kennen sich als Einheimische damit bestens aus.


Möglichkeiten zur Online Buchung in deutscher Sprache sind uns, trotz intensiver Googelei, bisher leider nicht bekannt. Eine ganz nett gemachte Website auf Spanisch finden Sie unter www.donanavisitas.es mit Informationen und hübschen kleinen Videos mit Entengequake und Flamingogeschnatter im Hintergrund. Eine Englische Version bietet visitasdonana.com - wobei es hier allerdings eher um Bootstouren auf dem Guadalquivir geht, die sicher auch sehr nett sein können - vom Park selbst dürften Sie dabei allerdings herzlich wenig sehen.


Update 2015: mittlerweile gibt es noch donanareservas.com - dort können Sie direkt buchen (allerdings wiederum nur Spanisch und Englisch) sowie eine sehr gute Infoseite auf Deutsch bei wandern-in-andalusien mit weiterführenden Links. Und wenn Sie selbst des Spanischen mächtig sind, dann können Sie sich natürlich auch direkt mit der Parkverwaltung in Verbindung setzen:

Parque Nacional de Doñana
Centro de visitantes "EL ACEBUCHE"
Carretera A-483 Km.38,7 Matalascañas-21760 (Almonte, Huelva)
Teléfono: 959439629
E-mail: en.donana-cvacebuche.cma@juntadeandalucia.es

Wir werden uns aber weiter bemühen - und neue Erkenntnisse dann an dieser Stelle veröffentlichen.


Weitere Infos für Spanien-Urlauber


Wer gerne andere Regionen Spaniens erleben möchte, findet hier weiterführende Informationen bei Solegro, dem Spezialisten für Jugendreisen nach Spanien. Und die Insel-Fans können ihre Finca auf Mallorca hier direkt online mieten, denn auf den Balearen ist immer was geboten! Sogar Wanderer kommen hier auf ihre Kosten.


Der Kampf um den Nationalpark Doñana geht weiter ...

... auch wenn momentan eine relative Ruhe zu herrschen scheint, kann praktisch jederzeit die nächste Katastrophe über den Naturpark hereinbrechen. Dafür gibt es (leider) genügend Beispiele aus der nunmehr 40-jährigen Geschichte des heutigen Nationalpark Doñana.

Denn Industrie-Giganten und Grosskapital, Spekulanten und Baulöwen aller Art, tatkräfig unterstützt von skrupellosen korrupten Lokalpolitikern, nehmen keine Rücksicht auf die Belange des Naturschutzes, sobald es um den grossen Reibach geht.

  • Bereits kurz nach seiner Taufe war Doñana über Jahre hinweg von einer geplanten Autobahn bedroht, die Cádiz und Huelva auf dem kürzesten Weg - sprich: mitten durch das Herz des Naturparks - verbinden sollte. Völlig hirnrissig und absolut überflüssig, sollte das Projekt wohl auch eher der "Vermögensbildung" dienen, zugunsten einiger Bauunternehmer und einer Handvoll ortsansässiger Volksvertreter in den betroffenen Gemeinden.

  • Im Jahre 1978 konnte durch massiven Protest der Bevölkerung und der gechlossenen Front sämtlicher Umwelt- und Naturschützer in letzter Minute verhindert werden, dass ein ausländischer Ölkonzern in den marismas mit Probebohrungen begann.

  • Im selben Jahr konnte die lange geplante Ausweitung des Ferienkomplexes Matalascañas gestoppt werden, angeblich für immer - doch bereits einige Jahre später wurde das Projekt vom Gott des Mammons wieder hervorgezaubert und 1990 von der Junta de Andalucia abgesegnet. Und damit nicht genug: seither geistert ein weiteres Vorhaben derselben Machart unter dem Namen Costa Doñana durch die Köpfe profitsüchtiger Lokalpolitiker - und dieses Projekt ist bis heute nicht endgültig vom Tisch. Naturschutz hin, Naturschutz her.

  • Ein äusserst laxer und in Spanien oft völlig unkontrollierter Umgang mit dem Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden, die mit den winterlichen Überschwemmungen in die Sümpfe und Lagunen gespült werden, war schon mehrfach Auslöser für schwere Katastrophen: bestimmte Substanzen begünstigen die Entwicklung von Boutilismus-Bakterien, die sich dann explosionsartig vermehren und in den 1970er Jahren zweimal den Tod von zehntausenden von Wasservögeln verursachten: die Bakterien scheiden Toxine aus, die von den Vögeln über die Nahrung aufgenommen werden. Das Gift lähmt zuerst die Beine, dann die Flügel - zuletzt setzt die Atmung aus und die Tiere sterben einen qualvollen Tod.

  • In diese Kategorie gehört auch der Chemie-Skandal von 1990, als Wissenschaftler im Auftrag des WWF eine extrem hohe Belastung der Doñana-Gewässer mit Lindan konstatierten. Lindan, in der "Schädlingsbekämpfung" eingesetzt, gilt als krebserregend und ist laut EG-Verordnung in ganz Europa verboten. Die (vermutlich ahnungslosen) Bauern im Norden des Naturparkes benutzten das Wundermittel, um ihre Reisfelder von importierten amerikanischen Krebsen zu "säubern", die durch Übervermehrung zur Landplage geworden waren. Also die berühmte Teufelsaustreibung mittels Beelzebub.

  • Und dann der "Grosse Crash" im April 1998, der zum Glück für Doñana nur eine Beinahe-Katastrophe wurde: in einer Mine bei Aznalcóllar am Fuss der Sierra Morena brach der Damm eines Rückhaltebeckens für Bergwerksabwässer des Minen-Konzerns Boliden-Apisa Ltd. In kürzester Zeit flossen mehr als fünf Millionen Kubikmeter Schlick, duchsetzt mit einer brisanten Mischung aus hochgiftigen Schwermetallen, in den Rio Guadiamar. Der "Unfall" wurde von Bauern bemerkt und gemeldet, sodass in einer Blitzaktion ein paar provisorische Dämme errichtet werden konnten, die verhinderten, dass diese toxische Brühe ins Innere des Doñana-Parks strömte. Rettung in allerletzter Sekunde, zumindest für Doñana.
    Die Kosten zur Beseitigung der Schäden für Landwirtschaft und Umwelt ausserhalb des Naturparks wurden mit rund 175 Millionen Euro taxiert - etwa ein Fünftel davon hat das verantwortliche Unternehmen gnädigerweise bereitgestellt. Der Rest blieb vermutlich am spanischen Steuerzahler hängen.

  • Der seit Jahren tobende Erdbeerkrieg ist auch noch nicht ganz ausgestanden, es scheint sich aber langsam eine für beide Seiten befriedigende Lösung abzuzeichnen (siehe unten Doñana '21):

    Erdbeeren sind ein wichtiger Exportartikel der Provinz Huelva (jährlich bis zu 200.000 Tonnen) - Sie kennen sie: unter dem Namen Freson de Huelva überschwemmen sie die europäischen Märkte bereits im Februar oder sogar schon im tiefsten Winter. Diese Dinger werden unter Folientunneln gezogen und sind dank diverser chemischer Zusätze riesig, sehen prachtvoll aus - und schmecken nach nichts.

    In den westlichen Randzonen des Parkes liegen einige der grössten Erdbeerfelder, die teilweise klammheimlich und illegal erweitert werden. Und nicht nur das: damit geht auch ein enormer Wasserverbrauch einher, also wird entweder Wasser umgeleitet (z.B. vom Arroyo de la Rocina) oder kräftig "gebohrt", und das geht zu Lasten des Grundwasserspiegels - ob es sich nun um legale oder illegale Brunnen handelt.

    Doch speziell für die Landwirtschaft im und um den Naturpark herum hat man in Doñana eine neue Strategie entwickelt, die inzwischen erste Früchte trägt und u.a. auf ein baldiges Ende des Erdbeerkrieges hoffen lässt:

Doñana geht neue Wege: Doñana 21 - in Kooperation mit dem WWF


Das neue Konzept Doñana 21 scheint aufzugehen. Die durchaus einleuchtende Idee besteht darin, mit den Nachbarn in Frieden leben zu wollen, und den ansässigen Landwirten nicht die Lebensgrundlagen zu entziehen. Naturschutz und Landwirtschaft, bisher eher so etwas wie "alte Erbfeinde", sollen künftig gemeinsam an einem Strang ziehen. Eine nachhaltige Entwicklung nach ökölogischen Gesichtspunkten ist jetzt angesagt, um sowohl den Einsatz von Chemie als auch den Wasserverbrauch auf ein verträgliches Mass zu senken. Dabei bietet Doñana 21 nicht nur kluge Ratschläge, sondern auch tatkräftige Hilfe an. Als Anreiz werden zudem Prädikate und Qualitätszertifikate verliehen an alle Betriebe, die den neuen umweltverträglichen Standards gerecht werden.

Das setzt allerdings voraus, dass auch ein Absatzmarkt für ökologische Produkte vorhanden ist - und damit sah es bis vor kurzem in Spanien recht finster aus. Doch allmählich ist der unersättliche Nachholbedarf auf dem Plastik- und FastFood- Sektor auch in Spanien am Abklingen. Der moderne Spanier scheint, zumindest in der Ernährung, wieder mehr auf Qualität zu achten. Das ehrgeizige neue Konzept könnte also funktionieren. Nach offiziellen Angaben ist beispielsweise im Reisanbau der Einsatz an Chemikalien angeblich um 90% zurückgegangen. Die ersten Fischereibetriebe im Guadalquivir- Becken akzeptieren die "Verluste" durch die Wasservögel - und schippern nun, zum Ausgleich finanzieller Einbussen, Touristen durch die Gegend.

Erste Hoffnungsschimmer am Horizont - und vielleicht schmecken ja demnächst auch die Huelva-Erdbeeren wieder.




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